Kaffeekohle: warum sie mit deinem Kaffee wenig zu tun hat
Von der Kaffeelust-RedaktionAktualisiert am 1 Min.

Kaffeekohle gilt als Hausmittel gegen Durchfall, und im Netz taucht sie als „Detox" auf. Beides trifft nicht ganz. Vor allem ist sie eines nicht: Kaffee.
Was Kaffeekohle wirklich ist
Coffeae carbo, so der lateinische Name, entsteht aus grünen Kaffeebohnen, die verkohlt werden. Nicht geröstet, verkohlt. Übrig bleibt ein dunkelbraunes bis schwarzes Pulver.
Das ist ein anderer Stoff als der Kaffee in deiner Tasse. Die Bohne ist dieselbe Gattung, der Verarbeitungsweg ein völlig anderer, und das Ergebnis wird in Deutschland als Arzneimittel geführt, nicht als Lebensmittel.
Wofür sie eingesetzt wird
Die Kommission E des damaligen Bundesgesundheitsamtes hat zu Coffeae carbo eine Monographie veröffentlicht. Sie nennt zwei Anwendungsgebiete: unspezifische akute Durchfallerkrankungen und, örtlich angewendet, leichte Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut.
Der Wirkmechanismus ist physikalisch, nicht geheimnisvoll. Die verkohlten Partikel haben eine poröse Struktur und damit eine große Oberfläche, an der sich Stoffe anlagern. Dazu kommt eine zusammenziehende Wirkung auf die Schleimhaut.
Der Punkt, an dem es kippt
Aus dieser Bindungsfähigkeit wird im Netz gern „Entgiftung". Das ist der Sprung, den die Sache nicht hergibt.
Ein Adsorbens bindet, was ihm im Darm begegnet. Es sucht sich nicht aus, was davon schädlich ist. Deshalb bindet Kaffeekohle auch Wirkstoffe von Medikamenten. Genau deshalb solltest du vor der Einnahme mit deinem Arzt oder deiner Apotheke sprechen solltest, wenn du regelmäßig etwas nimmst.
Und was für das verkohlte Pulver gilt, gilt nicht für gerösteten Kaffee. Deine Tasse Filterkaffee entgiftet nichts.
Und die Kaffee-Darmspülungen?
Die kursieren in der alternativen Medizin, mit aufgebrühtem und abgekühltem Kaffee. Untersuchungen, die einen medizinischen Nutzen belegen, gibt es dafür nicht.
Quellen:
Kommission E des Bundesgesundheitsamtes, Monographie Coffeae carbo.
Dr. Malte Rubach, Kaffee-Apotheke. Die Bohne für mehr Gesundheit, München, 2019.

Kaffeelust-Redaktion
Wir schreiben seit Jahren über Kaffee, testen selbst und betreiben das Verzeichnis der Kaffeeröstereien in Deutschland und Österreich. Mehr über uns