Perfekter Brühkaffee auf die bequeme Tour

Von der Kaffeelust-RedaktionAktualisiert am 8 Min.

Perfekter Brühkaffee auf die bequeme Tour

Pulver in den Filter, heißes Wasser drauf, warten. So macht man Tee, und wer das zum ersten Mal mit Kaffee sieht, denkt an Campingplatz und Blechkanne. Zugegeben, das ist ein Vorurteil. Tatsache aber ist: Soft Brew Kannen sind eine tolle Alternative zu Pour Over und Batch Brew, den beiden bekanntesten Wegen zum Filterkaffee, denn man muss so gut wie gar nichts dabei tun. Anfänger wie Baristas sind auf diese unkomplizierte Art, richtig guten Kaffee zuzubereiten aufmerksam geworden. Aber wie gut wird der Kaffee wirklich? Wird er nicht bitter, wenn das Pulver in der Kanne bleibt? Und für wen lohnt sich so eine Kanne? Auf der Suche nach einer empfehlenswerten Kanne sind wir auf ein Modell gestoßen, das wir getestet haben: den Arca X-Tract Brew Kaffeebereiter von Carl Henkel.

Die kurze Antwort vorweg: Die Kanne lohnt sich für alle, die Filterkaffee mögen, aber weder Filterpapier noch Handaufguss noch Maschine wollen. Sie brüht Kaffee nach dem Prinzip der French Press, wird aber auch nach einer halben Stunde nicht bitter, hält den Kaffee von selbst warm und kommt in die Spülmaschine. Wer den Kaffee lieber tropfenweise und mit klarer Tasse mag, bleibt beim Handfilter. Alle anderen lesen weiter.

Im Produkttest: der Arca X-Tract Brew Kaffeebereiter von Carl Henkel

Schlicht & unkompliziert

Der erste Eindruck: schlicht, unaufdringlich und zeitlos mit transparentem Glas, weißem Porzellan und silbernen Elementen. Wer einen farbigen Klecks möchte, bekommt die Kanne wahlweise auch mit grünem oder orangefarbenem Glashenkel.

Der zweite Eindruck: robust und wertig

Die Arca X-Tract Kanne ist gefertigt aus Borosilikatglas. Dieses Material wird u.a. auch für Labor-Equipment verwendet wegen seiner guten Eigenschaften bei kalten und warmen Temperaturen. Dabei ist die Kanne immer noch leicht. Stabil ist auch der Deckel aus glattem Porzellan. Der Silikonring sitzt fest und sorgt dafür, dass kein Tropfen Kaffee die Kanne verlässt.

Mitten drin steckt das Highlight: der Filter. Warum wir so begeistert sind, dazu später mehr. Er ist hergestellt aus wertigem Edelstahl und hat innen ein Sieb integriert. Es ist sehr feinmaschig und filigran, sodass die Kanne immer noch fliegengewichtig leicht in der Hand liegt. Der Hersteller weist darauf hin, dass man auf keinen Fall mit scharfen oder spitzen Gegenständen darin rühren oder Kaffeesatz herausholen sollte, um Sieb und Filter nicht zu beschädigen.

Hand hebt Edelstahlfilter aus Glaskanne mit fertigem Kaffee, Tasse und Untertasse daneben

Und das war’s auch schon. Mehr als die drei Teile sind es nicht, was die Anschaffung von weiterem Equipment angenehm unnötig macht. Man kann sich nur noch für die Größe entscheiden. Zum Zeitpunkt unseres Tests gab es die Glaskanne mit 0,5 l oder 0,8 l, wir hatten die 0,8 l-Kanne. Inzwischen hat der Hersteller das Sortiment umgebaut, die Eckdaten von heute stehen in der Tabelle.

Die Eckdaten im Überblick (Stand September 2026)

Arca X-Tract, GlasArca X-Tract, Porzellan
Größen0,6 l (1 bis 3 Tassen), 1 l (1 bis 6 Tassen)0,8 l (1 bis 6 Tassen), 1,2 l (10 bis 12 Löffel)
Regulärpreis im Herstellershop79 € (0,6 l), 89 € (1 l)119 € (0,8 l), 139 € (1,2 l)
KanneBorosilikatglas, Henkel in Clear, Amber oder GreenPorzellan in Weiß, Mattschwarz, Rot, Latte
DeckelPorzellan mit SilikonringPorzellan mit Silikonring
FilterEdelstahl mit innenliegendem Feinsieb, patentiertderselbe Filter
Höhe12,5 cm (0,6 l), 16 cm (1 l)16 cm (0,8 l)
Dosierung laut Herstellerca. 60 g Kaffee je Liter Wasserca. 60 g Kaffee je Liter Wasser
Ziehzeit laut Herstellermindestens 4 Minuten, empfohlen 12mindestens 4 Minuten, empfohlen 12
Reinigungalle Teile spülmaschinenfestalle Teile spülmaschinenfest
Ersatzfilter32 € (0,6 l), 36 € (1 l)36 €
Teefilter (ohne Feinsieb)26 € (0,6 l), 28 € (1 l)28 €

Die Zahlen sind Herstellerangaben aus dem Onlineshop von Carl Henkel, abgerufen am 23. September 2026, jeweils der reguläre Preis. Aktionen kommen und gehen, also vor dem Kauf noch einmal nachsehen.

Schlaues Innenleben für Aroma und Bequemlichkeit

Jetzt geht’s ans Eingekochte! Wir hatten die 0,8l-Kanne im Test. Dafür haben wir verschiedene Dosierungen getestet. Wir empfehlen ca. 45g Kaffeepulver im Mahlgrad für Filter. Der Hersteller rechnet mit etwa 60 g je Liter, das sind für unsere Kanne 48 g, also fast dasselbe. Pulver in den Filter geben und dann in die Kanne rein. Es gibt keine Halterung, der Filter ist passgenau angefertigt, sodass er mit der Kanne abschließt. Etwas Wasser (ca. 95°C) aufgießen für ein kurzes Blooming. Man sollte ziemlich genau 0,8 Liter Wasser aufgekocht haben, denn einen Messstrich an der Kanne gibt es nicht. Und dann das restliche Wasser auffüllen. Wenn es sprudelt, kurz warten und weiteraufgießen. Es entsteht eine Kruste mit Kaffeesatz, wie der Hersteller raten wir dazu, kurz umzurühren, damit sich alles gut vermischt, dann kann die Extraktion beginnen. Und jetzt einfach ziehen lassen.

Hände schütten Kaffeepulver in Glaskanne auf einer Waage

Wir haben mehrere Ziehzeiten getestet, von 2 über 10 bis hin zu 30 Minuten. Jetzt kommt, warum wir von diesem Filterpatent so begeistert sind. Das Überraschende: der Kaffee schmeckt schon nach zwei Minuten und er kann sogar sehr lange ziehen ohne bitter zu werden. Erst nach ca. 30min nehmen wir eine bittere Note wahr, und das obwohl der Filter samt Kaffeesatz noch in der Kanne steht. Das ist ein ziemlich dicker Stein im Bequemlichkeits-Brett und schlägt in unseren Augen sogar die French Press. Das Brühprinzip ist bei beiden Kannen dasselbe: Kaffeepulver treibt im Wasser und extrahiert. Full Immersion-Brewing nennt sich das. Wie sich Immersion, Infusion und Handaufguss grundsätzlich unterscheiden, steht im 1 x 1 des Brühkaffees.

Dabei gibt es zwei Unterschiede: bei der French Press sollte man auf die Uhr schauen und den Stempel nach unten drücken, damit a) der Kaffee nicht bitter wird und b) um den Kaffeesatz vom Kaffee zu trennen. Man sollte außerdem Kaffee aus der French Press sofort servieren. Zurückgebliebene Kaffeesatzpartikel extrahieren sonst weiter und machen den Kaffee bitter. Bei der Arca X-Tract jedoch kann der Filter samt Kaffee weiter in der Kanne bleiben, vielmehr ist er mit dem erhitzten Kaffeesatz sogar noch eine Wärmequelle für den Kaffee von innen heraus. Wir konnten nach 30min noch 55°C im Kaffee messen. Dazu finden wir wenig bis gar keine Kaffeesatzpartikel in unseren Tassen, die weiter extrahieren. Das macht die Arca X-Tract zum Zubereitungs- und zugleich Aufbewahrungsgefäß.

Wasser wird aus einer Kanne mit Schwanenhals in eine Glaskaraffe auf einer Waage gegossen

So schmeckt’s: ideal extrahiert & aromaintensiv

Der Geschmack ist vergleichbar mit Kaffee aus der Karlsbader Kanne: intensiv aromatisch. Diese Kanne hat wie die Arca X-Tract einen integrierten Permanentfilter, jedoch aus Porzellan. Das ist eine Bauart, bei der Filtermaterial und Kaffeegeschmack eng zusammenhängen. Der Vorteil solcher Filter: auch die Kaffeeöle gelangen in den Kaffee und bleiben nicht im undurchlässigeren Filterpapier hängen. Das bereichert den Genuss. Deshalb entdecken wir in unseren Tests kleine wünschenswerte „Fettaugen“ auf dem Kaffee in der Tasse.

Und noch ein paar Extra-Sternchen für Reinigung, Nachhaltigkeit & Multitasking

Für die Reinigung geht’s kaum einfacher: Filter herausnehmen, Kaffeesatz ausleeren und von außen nach innen spülen. Fertig. Da sich Öle im Filter festsetzen, rät der Hersteller ihn ca. einmal pro Woche mit Spülmittel zu reinigen. Da ist sogar die bequeme Tour in der Spülmaschine kein Problem. Für die Kanne gilt dasselbe.

Über eine bequeme Handlichkeit und guten Kaffee hinaus ist die Kanne auch ein Multitasker: sie eignet sich mit ihrem engmaschigen Filter auch für Cold Brew. Das Ergebnis: sehr aromatisch. Dazu ist die Arca X-Tract ein nachhaltiges Barista-Tool. Sie kommt ohne Filterpapier aus, braucht keine Wartung und keinen Strom. Und selbst wenn einmal etwas in die Brüche geht, muss man nicht die komplette Kanne entsorgen, es gibt Ersatzteile. Last but not least: die Arca X-Tract kann auch Tee. Dafür gibt es einen extra Filter ohne das feine Innensieb, sodass auch für Teegenuss keine extra Beutelchen mehr sein müssen.

Heißes Wasser läuft in eine Glaskanne mit Metallfilter und Kaffee

Fazit:

Mit ihrem schlichten Look passt die Arca X-Tract in jede Küche. Sie ist handlich, sehr einfach zu bedienen und nachhaltig. Den Preis von 72€ (0,8l) bzw. 65€ (0,5l) zum Testzeitpunkt fanden wir absolut in Ordnung. Heute kostet die Glaskanne beim Hersteller 79 € (0,6 l) bzw. 89 € (1 l), und die Kanne braucht kein Papier. Eine Markierung für die Wassermenge wäre wünschenswert. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn das Entscheidende ist: mit der Arca X-Tract gelingt Kaffee ohne großes Barista-Wissen im Handumdrehen richtig gut und die Kanne hält den Kaffee von selbst warm. Daumen hoch…

Fotos: © Murnauer Kaffeerösterei, Carl Henkel


Quellen: Alle Eckdaten in der Tabelle sind Herstellerangaben von Carl Henkel GmbH, abgerufen am 23.09.2026: Arca X-tract 0,6 l Glas (79 €, 1 bis 3 Tassen, Höhe 12,5 cm, Dosierung ca. 6 g je gehäuftem Löffel, Ziehzeit mindestens 4 und empfohlen 12 Minuten, alle Teile spülmaschinenfest); Arca X-tract 1 l Glas (89 €, 1 bis 6 Tassen, Höhe 16 cm, ca. 60 g Kaffee je Liter Wasser); Arca X-tract 0,8 l Porzellan (119 €, Farben Matt Black, Pure White, Coffee Cherry Red, Latte, Höhe 16 cm); Arca X-tract 1,2 l (Porzellan, Regulärpreis 139 €, 10 bis 12 Löffel für die volle Kanne); Kaffeefilter X-tract (Ersatzfilter 32 € für 0,6 l, 36 € für 0,8 bis 1,2 l, Reinigung etwa einmal pro Woche in der Spülmaschine); Teefilter für Arca (26 € für 0,6 l, 28 € für 0,8 bis 1,2 l, ohne feines Innensieb); Carl Henkel, Anleitung „Wie bereite ich eine perfekte Tasse Kaffee mit ARCA X-Tract Brew zu?“ (PDF, ein gehäufter Löffel je Tasse, Kruste umrühren). Ziehzeiten, Dosierung von 45 g, Temperatur nach 30 Minuten und Geschmacksurteil sind eigene Messungen und Eindrücke aus dem Test im Januar 2023 mit der damaligen 0,8-l-Glaskanne.

Kaffeelust-Redaktion

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