Wie viele Kaffeebohnen pro Tasse? Die Zahl, der Rechenweg, die Tabelle

Von der Kaffeelust-RedaktionAktualisiert am 5 Min.

Wie viele Kaffeebohnen pro Tasse? Die Zahl, der Rechenweg, die Tabelle

Sechzig Bohnen, abgezählt, jede einzelne. So soll Beethoven seinen Kaffee gemacht haben, und wer das liest, denkt sofort: schöne Geschichte, aber wer zählt schon Bohnen. Zugegeben, niemand. Tatsache aber ist: Die Frage nach der Zahl ist berechtigt, weil Kaffee eine Gewichtsfrage ist. Wie viele Bohnen gehören in eine Tasse? Wie viele in einen Espresso? Und was, wenn keine Waage in der Küche steht?

Die kurze Antwort: Für eine Filtertasse mit 150 ml brauchst du rund 8 g Kaffee, das sind etwa 65 Bohnen. Ein doppelter Espresso braucht 18 g, also rund 140 Bohnen. Alles andere ist Rechenweg, und den bekommst du hier so, dass du ihn nie wieder nachschlagen musst.

Die Tabelle: Gramm und Bohnen je Zubereitung

ZubereitungWasserKaffeeBohnen, gerundet
Espresso, einfach18 g in der Tasse9 g70
Espresso, doppelt36 g in der Tasse18 g140
Filtertasse150 ml8 g65
Becher250 ml14 g105
French Press für zwei500 ml28 g210
Kanne1 l55 g420

Grundlage für alles außer Espresso ist das Verhältnis der Specialty Coffee Association: 55 g Kaffee je Liter Wasser, mit einer Toleranz von zehn Prozent nach oben und unten. Das ist der Golden Cup Standard, nach dem auch Filtermaschinen zertifiziert werden. Für Espresso gilt keine Wassermenge, sondern eine Dosis: 18 g Kaffee ergeben etwa 36 g Espresso in der Tasse, das Verhältnis 1:2, das im Spezialitätenkaffee als Ausgangspunkt gilt.

Die Bohnenzahl ergibt sich aus dem Gewicht einer einzelnen Bohne. Das klingt banal. Ist es nicht.

Übersichtsgrafik: Kaffeemenge in Gramm und Bohnenzahl für Espresso, Filtertasse, Becher und Kanne

Was eine Kaffeebohne wiegt

Kaffeebohnen in einem Glas auf einer digitalen Waage

Eine geröstete Arabica-Bohne wiegt zwischen 0,12 und 0,15 g. Die Zahlen stammen aus einer Wägung von Honest Coffee Guide, die je hundert Bohnen aus vier Packungen auf die Waage gelegt hat: Ein Filterkaffee aus Ruanda kam auf 0,14 g je Bohne, ein Illy Arabica auf 0,12 g, zwei dunkle Röstungen auf 0,12 und 0,15 g. Für die Tabelle oben rechnen wir mit 0,13 g.

Warum keine feste Zahl? Weil die Bohne mit dem Röstgrad leichter wird. Beim Rösten verdampft Wasser, und je länger die Bohne in der Trommel bleibt, desto mehr Gewicht verliert sie. Dieselbe Bohne wiegt dunkel geröstet also weniger als hell geröstet.

Dazu kommt die Größe: Robusta-Bohnen sind kleiner und leichter als Arabica, Maragogype-Bohnen deutlich größer. Wer also Bohnen zählt statt wiegt, kann je nach Kaffee um ein Viertel danebenliegen. Das ist auch der Grund, warum die Tabelle „gerundet" sagt und keine Waage ersetzt.

Der Rechenweg für jede Tassengröße

Zwei Schritte, beide im Kopf machbar.

  1. Wassermenge in Millilitern mal 0,055. Das ergibt die Kaffeemenge in Gramm. Für 250 ml: 250 × 0,055 = 13,75 g.
  2. Kaffeemenge geteilt durch 0,13. Das ergibt die Bohnenzahl. 13,75 g ÷ 0,13 = 106, also rund 105 Bohnen.

Für Espresso entfällt der erste Schritt. Die Dosis steht fest, meist 18 g für einen doppelten Bezug, und 18 ÷ 0,13 sind rund 140 Bohnen. Ein einfacher Espresso mit 9 g liegt bei 70. Fertig.

Derselbe Rechenweg beantwortet auch die Frage nach der Packung: 250 g sind rund 1.900 Bohnen, das reicht für etwa 30 Filtertassen oder 14 doppelte Espressi.

Rechenweg als Grafik: Wasser mal 0,055 ergibt Gramm, Gramm geteilt durch 0,13 ergibt Bohnen

Wer den Kaffee lieber stärker mag, geht an die obere Grenze der Toleranz: 60 g je Liter statt 55. Wer ihn milder will, an die untere mit 50 g. Was dabei mit dem Geschmack passiert und warum „stark" nicht dasselbe ist wie „viel Koffein", steht im Artikel darüber, was einen Kaffee wirklich stark macht.

Ohne Waage: der Löffel, der einmal gewogen wurde

Die ehrliche Antwort auf „Wie viele Löffel?" lautet: Das hängt vom Löffel ab. Ein gehäufter Esslöffel grob gemahlener Kaffee wiegt anders als ein gestrichener mit feinem Espressomehl, und der Kaffeemaßlöffel aus der Packung ist von Hersteller zu Hersteller verschieden groß.

Der Trick, der funktioniert: Einmal wiegen, dann nie wieder. Leih dir eine Küchenwaage, füll deinen Lieblingslöffel so, wie du ihn immer füllst, und lies ab. Dieses eine Gewicht schreibst du auf, und ab dann rechnest du mit deinem Löffel statt mit fremden Tabellen. Beim Vollautomaten übernimmt das die Maschine: Die Stärkestufen entsprechen festen Dosierungen, die in der Bedienungsanleitung deines Geräts stehen. Dort nachzusehen ist genauer als jede allgemeine Angabe.

Barista wiegt gemahlenen Kaffee im Papierfilter auf einer digitalen Waage ab

Mehr als die Menge: Röstung und Mahlgrad

Die richtige Menge ist der Anfang. Nicht das Ende. Zwei Dinge entscheiden mit, ob aus 8 g eine gute Tasse wird.

Der Mahlgrad bestimmt, wie schnell das Wasser dem Kaffee seine Aromen entzieht. Zu fein gemahlen, und die Tasse wird bitter, weil zu viel herausgelöst wird. Zu grob, und sie schmeckt dünn und sauer. Die Menge kann das nicht ausgleichen; mehr Kaffee bei falschem Mahlgrad macht die Tasse nur intensiver falsch.

Die Röstung bestimmt, was überhaupt herauszulösen ist. Espressobohnen sind in der Regel länger geröstet als Filterkaffee, was sie besser löslich und weniger säurebetont macht. Worin sich Espressobohnen von normalen Kaffeebohnen unterscheiden und ob man sie tauschen kann, ist ein eigenes Thema.

Beethovens 60 Bohnen, nachgerechnet

Zurück zum Anfang. Die Geschichte stammt von Anton Schindler, Beethovens Sekretär, der sie 1840 in seiner Biografie aufgeschrieben hat: Beethoven habe sechzig Bohnen je Tasse abgezählt, und zwar besonders sorgfältig, wenn Besuch da war. Schindler gilt unter Musikwissenschaftlern als unzuverlässig, er hat nachweislich Einträge in Beethovens Konversationsheften gefälscht. Die Bohnengeschichte lässt sich also nicht bestätigen. Aber sie lässt sich nachrechnen.

Sechzig Bohnen zu 0,13 g sind 7,8 g. Das ist fast genau die Menge, die der Golden Cup Standard für eine Tasse mit 150 ml vorsieht. Wenn Beethoven wirklich gezählt hat, dann hat er gut gezählt.

Notenblatt

Und wer es ihm nachmacht, merkt nach der dritten Tasse, warum die Waage erfunden wurde.


Quellen: Specialty Coffee Association, SCA Standard 310-2021 Home Coffee Brewers (Golden Cup: 55 g Kaffee je Kilogramm Wasser, Wassertemperatur 90 bis 96 °C); Honest Coffee Guide, Wägung von je 100 Bohnen aus vier Packungen; Anton Schindler, „Biographie von Ludwig van Beethoven", Münster 1840 (Digitalisat im Internet Archive).

Kaffeelust-Redaktion

Kaffeelust-Redaktion

Wir schreiben seit Jahren über Kaffee, testen selbst und betreiben das Verzeichnis der Kaffeeröstereien in Deutschland und Österreich. Mehr über uns