Black Ivory Kaffee aus Thailand: Ein exklusives Geschmackserlebnis mit elefantöser Note

Von der Kaffeelust-RedaktionAktualisiert am 4 Min.

Black Ivory Kaffee aus Thailand: Ein exklusives Geschmackserlebnis mit elefantöser Note

Ein Kilogramm für über 4.000 Dollar, und der Weg dorthin führt durch einen Elefanten. Black Ivory Coffee ist der Kaffee, über den in jeder Runde jemand eine Geschichte erzählt, meist eine ungenaue. Was passiert dabei tatsächlich mit der Bohne? Was kostet das Ganze wirklich? Und wie steht es um die Tiere, ohne die es ihn nicht gäbe?

Ein Kanadier, zwanzig Elefanten, 227 Kilogramm im Jahr

Hinter Black Ivory steht Blake Dinkin, ein Kanadier, der rund neun Jahre an der Idee arbeitete, bevor er sie 2012 auf den Markt brachte. Angefangen hat es an der Golden Triangle Asian Elephant Foundation im Norden Thailands; heute läuft die Produktion in Ban Ta Klang in der Provinz Surin, mit etwa zwanzig beteiligten Elefanten.

Die Mengen sind winzig. Der Hersteller nennt rund 500 Pfund im Jahr, also etwa 227 Kilogramm für den gesamten Weltmarkt. Zum Vergleich: Eine mittlere deutsche Rösterei verarbeitet das an einem Vormittag.

Entsprechend sind die Preise. Im Herstellershop kosten 40 Gramm 170 US-Dollar, was auf rund 4.250 Dollar je Kilogramm hinausläuft. Eine günstigere Linie liegt bei etwa 1.940 Dollar je Kilogramm. Zu kaufen gibt es ihn direkt beim Hersteller und in einzelnen Luxushotels.

Eine Einschränkung gehört dazu: Sämtliche Mengenangaben stammen vom Unternehmen selbst. Eine unabhängige Prüfung existiert nicht.

Was im Elefanten wirklich passiert

Hier steht in fast jedem Artikel dasselbe, und es ist falsch. Auch in unserem stand es bis heute: „Die natürlichen Enzyme im Magen der Elefanten" bewirkten die Fermentation.

Das trifft in zwei Punkten nicht zu.

Es ist nicht der Magen. Elefanten sind Dickdarmfermentierer. Ihr Magen ist vergleichsweise klein und einfach gebaut; die eigentliche Gärung findet weiter hinten statt, in Blinddarm und Dickdarm.

Es sind nicht die Enzyme des Tieres. Elefanten können Cellulose gar nicht selbst aufschließen, sie sind vollständig auf Mikroorganismen in ihrem Darm angewiesen. Was mit der Kaffeekirsche geschieht, geschieht durch Bakterien, nicht durch den Elefanten.

Erst 2025 hat eine Arbeitsgruppe des Institute of Science Tokyo nachgesehen, was diese Bakterien tun. Bei den beteiligten Elefanten waren Gattungen angereichert, deren Gene auf den Abbau von Pektin und Cellulose hindeuten. Das ergibt Sinn: Pektin zerfällt beim Rösten zu Bitterstoffen. Wird es vorher mikrobiell abgebaut, wäre weniger Bitterkeit die logische Folge. Messbar war das an einem reduzierten Gehalt eines bestimmten Röstaromastoffs.

Bevor daraus mehr wird, als es ist: Die Studie bezeichnet sich selbst als vorläufig. Drei Tiere je Gruppe, ungleich verteilt nach Alter und Geschlecht, und die Bohnen wurden vor und nach der Passage chemisch gar nicht untersucht. Was mit Chlorogensäuren und Koffein geschieht, weiß niemand.

Die Kirschen brauchen nach Herstellerangabe 15 bis 30 Stunden durch das Tier. Gemessen hat das ebenfalls niemand.

Die Frage, um die es eigentlich geht

Kaffee aus Tierverdauung hat einen Ruf, und der kommt nicht von Black Ivory, sondern von Kopi Luwak aus Indonesien. Dort ist die Kritik gut dokumentiert. World Animal Protection untersuchte gemeinsam mit der Universität Oxford Dutzende Anlagen auf Bali und den Nachbarinseln. Keine einzige erfüllte die Grundbedürfnisse der gehaltenen Zibetkatzen: Drahtgitterböden, kein Rückzugsort für nachtaktive Tiere, Wildfänge, hohe Sterblichkeit. Mehrere Händler haben Kopi Luwak daraufhin ausgelistet.

Auf Black Ivory lässt sich das nicht eins zu eins übertragen, und wer es tut, macht es sich zu leicht. Elefanten lassen sich nicht zwangsfüttern. Kaffeekirschen machen nach Angaben des Herstellers unter einem Prozent der Tagesration aus. Eingebunden würden gezielt Tiere, die für den Tourismus zu alt oder verletzt sind, und jede Fütterung werde gefilmt.

Nur ist das alles die Darstellung des Unternehmens. Eine unabhängige Prüfung der Haltungsbedingungen gibt es nicht. Wir haben keine Untersuchung und keine Kampagne einer Tierschutzorganisation gefunden, die sich speziell gegen Black Ivory richtet. Die einzige namentliche kritische Stimme ist Neil D'Cruze von World Animal Protection, der 2023 in National Geographic anmerkte, über die Haltung sei wenig öffentlich bekannt, und es blieben unabhängig von behaupteten Standards Tiere in Gefangenschaft.

Dazu ein Befund aus unserer eigenen Prüfung: Früher wurde ein Umsatzanteil für die Elefantenstiftung beziffert. Die heutige Website spricht nur noch allgemein davon, dass Käufe die Mahouts und ihre Familien unterstützen. Eine konkrete Zahl steht dort nicht mehr.

Wer also schreibt, Black Ivory sei ethisch unbedenklich, gibt eine Herstellerbehauptung als Tatsache aus. Wer schreibt, er sei Tierquälerei wie Kopi Luwak, ebenfalls. Die ehrliche Antwort ist unbequemer: Es sind gehaltene, arbeitende Elefanten in Thailand, und zu ihrer Haltung liegt nichts vor außer der Eigendarstellung.

Und schmeckt er?

Das lässt sich seriös nicht beantworten, und das ist bemerkenswert.

Wir haben keine einzige unabhängige professionelle Bewertung gefunden. Keinen veröffentlichten Cupping-Score, kein Blindpanel, keine Bewertung einer Fachinstanz. Was existiert, sind journalistische Einzelverkostungen mit weit auseinanderliegenden Urteilen, von „bestes Kaffeeerlebnis" bis „teure Enttäuschung, angenehm, aber nicht außergewöhnlich".

Die Beschreibung, die überall steht, weich und schokoladig mit wenig Bitterkeit, geht direkt oder indirekt auf den Hersteller zurück. Selbst die Studie von 2025 übernimmt sie als Ausgangsbeschreibung, statt sie zu prüfen.

Für 170 Dollar je 40 Gramm ist das eine dünne Grundlage. Wer das Geld ausgibt, kauft in erster Linie eine Geschichte, und die ist tatsächlich einmalig.

Kaffeelust-Redaktion

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