Coffee Negroni: das Rezept mit Espresso oder Cold Brew, und woher der Negroni kommt

Von der Kaffeelust-RedaktionAktualisiert am 7 Min.

Coffee Negroni: das Rezept mit Espresso oder Cold Brew, und woher der Negroni kommt

Das Rezept auf einen Blick

Ergibt: 1 Glas

Zutaten

  • 30 ml Gin
  • 30 ml Campari
  • 30 ml roter Wermut
  • 30 ml Espresso, abgekühlt, oder 30 ml Cold Brew
  • Eiswürfel
  • 1 Streifen Orangenschale
  • 10 ml Zuckersirup (optional)

Zubereitung

  1. Espresso beziehen und mindestens zehn Minuten abkühlen lassen
  2. Cold Brew kommt direkt aus dem Kühlschrank.
  3. Einen Tumbler mit Eiswürfeln füllen und beiseitestellen.
  4. Ein Rührglas mit Eis füllen, Gin, Campari, Wermut und Kaffee hineingeben.
  5. 20 bis 30 Sekunden mit dem Barlöffel rühren, bis das Rührglas außen beschlägt.
  6. Durch ein Barsieb in den vorbereiteten Tumbler abseihen.
  7. Orangenschale über dem Glas ausdrücken, damit das Öl auf die Oberfläche spritzt, dann in den Drink geben.

Rot, bitter, ein Streifen Orangenschale, so steht der Negroni seit hundert Jahren auf der Bar. Und dann kommt jemand und gießt Kaffee hinein. Zugegeben, das klingt zuerst nach einer Bar, der die Ideen ausgegangen sind. Nur stimmt das nicht: Kaffee und Campari sind beides Bittergetränke, und im Glas streiten sie sich nicht, sie reden miteinander. Was gehört in einen Coffee Negroni? Nimmst du Espresso oder Cold Brew? Und woher kommt der Negroni überhaupt?

Die kurze Antwort: Ein Coffee Negroni ist der klassische Negroni aus je 30 ml Gin, Campari und rotem Wermut, ergänzt um 30 ml kalten Kaffee, gerührt auf Eis, mit Orangenschale. Mit abgekühltem Espresso kommen mehr Säuren ins Glas, mit Cold Brew weniger. Das Rezept kommt zuerst, der Vergleich danach.

Zutaten

Für ein Glas:

  • 30 ml Gin
  • 30 ml Campari
  • 30 ml roter Wermut
  • 30 ml Espresso, abgekühlt, oder 30 ml Cold Brew
  • Eiswürfel
  • 1 Streifen Orangenschale
  • 10 ml Zuckersirup (optional)

Die drei Spirituosen zu gleichen Teilen sind das offizielle Rezept der International Bartenders Association für den Negroni. Der Kaffee kommt als vierter gleicher Teil dazu, und mehr braucht es nicht. Wer es süßer mag, gibt den Zuckersirup ins Rührglas; Campari bringt allerdings schon fast ein Viertel seines Gewichts als Zucker mit, deshalb erst ohne probieren.

Zubereitung

  1. Espresso beziehen und mindestens zehn Minuten abkühlen lassen. Heißer Espresso schmilzt das Eis und verwässert den Drink. Cold Brew kommt direkt aus dem Kühlschrank.
  2. Einen Tumbler mit Eiswürfeln füllen und beiseitestellen, damit das Glas kalt wird.
  3. Ein Rührglas mit Eis füllen. Gin, Campari, Wermut und Kaffee hineingeben.
  4. 20 bis 30 Sekunden mit dem Barlöffel rühren, bis das Rührglas außen beschlägt. Gerührt, nicht geschüttelt: So macht es die International Bartenders Association beim Negroni, und so machen es auch die beiden Bartender, die Perfect Daily Grind zum Coffee Negroni befragt hat.
  5. Durch ein Barsieb in den vorbereiteten Tumbler abseihen.
  6. Die Orangenschale über dem Glas ausdrücken, damit das Öl auf die Oberfläche spritzt, dann in den Drink geben.

Coffee Negroni im Tumbler, mit einer Orangenschale garniert

Wenn du keinen Barlöffel hast, tut es ein langer Teelöffel, und statt des Rührglases geht ein zweiter Tumbler. Ein Sieb brauchst du nur, weil das Eis aus dem Rührglas schon angeschmolzen ist; frisches Eis im Trinkglas hält den Drink länger kalt.

Espresso oder Cold Brew: der Vergleich

Beides funktioniert. Es sind aber zwei verschiedene Drinks.

Mit EspressoMit Cold Brew
Säuremehr gelöste Säuren, bei gleichem pH-Wertweniger gelöste Säuren, bei gleichem pH-Wert
Koffeinrund 40 mg in 30 ml, nach dem EFSA-Richtwert von 80 mg je 60 ml Espressohängt davon ab, wie stark du das Konzentrat ansetzt; eine feste Zahl gibt es nicht
Vorlaufzehn Minuten Abkühlen10 bis 14 Stunden Ziehzeit, also am Vortag ansetzen

Der Unterschied bei der Säure ist gemessen, nicht gefühlt. Niny Rao und Megan Fuller von der Thomas Jefferson University haben 2018 Kaffee aus sechs Herkünften heiß und kalt gebrüht und verglichen. Der pH-Wert lag heiß gebrüht bei 4,85 bis 5,10, kalt bei 4,96 bis 5,13, also praktisch gleich. Heiß gebrühter Kaffee enthielt aber deutlich mehr titrierbare Säure, sprich mehr gelöste Säuren insgesamt. Untersucht wurden dabei nur helle Röstungen. Was davon im fertigen Drink ankommt, entscheidet dein Gaumen; gemessen ist allein der Säureunterschied.

Beim Koffein gibt es für den Espresso einen Richtwert: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit rechnet mit 80 mg je 60 ml, ein Drink mit 30 ml bringt also rund 40 mg mit. Für Cold Brew gibt es keinen, weil er als Konzentrat angesetzt wird und jeder das Verhältnis von Kaffee zu Wasser anders wählt. Wie du ihn ansetzt und wie lange er zieht, steht im Cold-Brew-Rezept.

Espresso Negroni mit Gin, rotem Wermut, Campari und Kaffeelikör, daneben Orange und Eis

Eine dritte Variante ersetzt den Kaffee durch Kaffeelikör, so wie es die Vorfassung dieses Artikels tat. Stephen Kurpinsky, Bartender und US-Markenbotschafter des Kaffeelikörs Mr Black, nennt im Perfect Daily Grind diese Mengen:

  • 30 ml Gin
  • 30 ml Kaffeelikör
  • 22 ml Campari
  • 15 ml roter Wermut

Das ist süßer und kaffeelastiger als das Rezept oben. Ein Likör hat in der EU mindestens 15 Volumenprozent und mindestens 100 g Zucker je Liter, deshalb fällt der Zuckersirup hier weg. Dazu gehört gesagt: Kurpinsky empfiehlt den Likör, für den er arbeitet.

Woher der Negroni kommt

Die Geschichte, die überall erzählt wird: Florenz, 1919, Caffè Casoni in der Via de' Tornabuoni. Der Stammgast Camillo Negroni bittet den Barkeeper Fosco Scarselli, seinen Americano aus Campari, Wermut und Soda etwas kräftiger zu machen. Scarselli ersetzt das Soda durch Gin und legt statt der Zitrone eine Orange ins Glas, angeblich, damit man den neuen Drink vom alten unterscheiden kann.

Die ausführlichste Recherche dazu stammt von Luca Picchi, der lange Chefbarkeeper im Caffè Rivoire an der Piazza della Signoria war, ein paar Schritte von der alten Casoni-Bar entfernt. Sein Buch „Sulle tracce del conte. La vera storia del cocktail Negroni" erschien 2002 in Florenz. Die Drinks-Autorin Alice Lascelles schreibt in ihrem Buch „Ten Cocktails" von 2015, Picchi wisse mehr über die Geschichte des Negroni als jeder andere.

Zwei Dinge sind weniger sicher, als es klingt. Erstens der Titel: Der Cocktail-Historiker David Wondrich hat recherchiert, dass Camillo Negronis Grafenwürde zweifelhaft ist; sicher ein Graf war sein Großvater Luigi. Zweitens die Konkurrenz: Nachfahren eines französischen Generals namens Pascal Olivier de Negroni behaupten, er habe den Drink schon 1857 im Senegal erfunden. Das kann nicht stimmen, weil Campari erst 1860 als Unternehmen entstand. Florenz bleibt also die beste Antwort, und der Negroni steht heute in der Liste der „Unforgettables" der International Bartenders Association.

Der Coffee Negroni hat keinen Erfinder. „Numerous bartenders started infusing coffee into negroni variations around the mid-2010s", sagt Kurpinsky im selben Artikel. Es ist also eine Idee, die mehrere Bars zur selben Zeit hatten, kein Rezept mit Geburtsurkunde.

Wie viel Alkohol im Glas steckt

Ein Coffee Negroni sieht mit seinen 120 ml harmlos aus. Ist er nicht. Gin hat in der EU mindestens 37,5 Volumenprozent, Campari in Deutschland 25, roter Wermut mindestens 14,5 und unter 22. In den drei mal 30 ml stecken damit rund 23 bis 25 ml reiner Alkohol. Das entspricht drei Schnäpsen zu 2 cl mit 40 Prozent. Das geschmolzene Eis verdünnt den Drink, ändert aber nichts an der Menge.

Und der Kaffee darin hebt das nicht auf. „Tricks wie Kaffee oder kalte Duschen beschleunigen den Prozess leider nicht", schreibt das Portal Kenn dein Limit des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit zum Alkoholabbau. „Die Leber baut Alkohol immer mit der gleichen Geschwindigkeit ab", bei Frauen rund 0,1 Promille je Stunde, bei Männern 0,1 bis 0,2. Das Koffein macht wacher, nicht nüchterner.

Wer Kaffee mit Alkohol mag und woanders weitersuchen will: Der Espresso Martini ist der geschüttelte Verwandte mit Wodka und Kaffeelikör, im Artikel über Kaffee und Gin stehen zwei weitere Rezepte, und der Cremat bringt den Rum zum Brennen.


Quellen: International Bartenders Association, Negroni (30 ml Gin, 30 ml Campari, 30 ml roter Wermut, direkt ins eisgefüllte Old-Fashioned-Glas, sanft gerührt, halbe Orangenscheibe; Kategorie „The Unforgettables"); Wikipedia, Negroni (Florenz 1919, Caffè Casoni, Fosco Scarselli, Camillo Negroni, Americano mit Gin statt Soda, Orange statt Zitrone; Wondrich zum Grafentitel; Pascal Olivier de Negroni 1857, widerlegt durch Campari-Gründung 1860; mit Verweis auf Luca Picchi, „Sulle tracce del conte. La vera storia del cocktail Negroni", Florenz, Plan, 2002 laut Literaturverzeichnis, der Fließtext nennt 2006); Difford's Guide, History of the Negroni (Picchi als Chefbarkeeper des Caffè Rivoire, Urteil von Alice Lascelles aus „Ten Cocktails", 2015); Isabelle Mani SanMax, „A wonderful symphony of flavours": Exploring the coffee negroni, Perfect Daily Grind, 26. Mai 2021 (Zitat Stephen Kurpinsky, Markenbotschafter für Mr Black; sein Rezept 30/30/22/15; beide zitierten Bartender rühren auf Eis); Niny Z. Rao und Megan Fuller, Acidity and Antioxidant Activity of Cold Brew Coffee, Scientific Reports 8, 16030 (2018) (sechs Herkünfte, helle Röstung; pH heiß 4,85 bis 5,10, kalt 4,96 bis 5,13; heiß gebrüht mehr titrierbare Säure); Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, Caffeine (80 mg je 60 ml Espresso, Einzeldosis bis 200 mg unbedenklich); Wikipedia, Gin (mindestens 37,5 Volumenprozent nach Verordnung (EU) 2019/787); Verordnung (EU) 2019/787, Anhang I Kategorie 33 (Likör: mindestens 15 Volumenprozent, mindestens 100 g Zucker je Liter); Wikipedia, Campari (25 Volumenprozent in Deutschland, 24,8 Prozent Zucker, Unternehmensgründung 1860); Wikipedia, Wermut (Getränk) (mindestens 14,5 und unter 22 Volumenprozent nach Verordnung (EU) 251/2014); Kenn dein Limit, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, Alkoholabbau im Check (Zitate, 0,1 bzw. 0,1 bis 0,2 Promille je Stunde). Alle abgerufen am 24. September 2026.

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