Die Geschichte des Kakaos
Von der Kaffeelust-RedaktionAktualisiert am 4 Min.

„Das macht dann 10 Kakaobohnen, bitte." Klingt wie ein Scherz, war aber einmal eine ganz normale Rechnung. Kakao war Zahlungsmittel, Medizin und Opfergabe, lange bevor er zur Tafel Schokolade wurde. Über 5.500 Jahre lässt sich seine Geschichte zurückverfolgen, viel weiter als bis zu Maya und Azteken, mit denen die meisten ihn zuerst verbinden.
Fünfeinhalbtausend Jahre Kakao im Hochland von Ecuador
Lange ging die Forschung davon aus, dass die Kakaokultur in Mittelamerika begann, bei den Maya, rund 1.500 vor Christus. Untersuchungen im Hochland von Ecuador zeigen aber etwas anderes: Dort nutzten Menschen bereits vor 5.500 Jahren Kakao. Gegessen wurde damals nicht die Bohne, sondern das süße Fruchtfleisch drumherum, die Pulpe. Man aß sie pur oder ließ sie zu einem weinartigen, alkoholischen Getränk vergären.

Übrigens: Diese Pulpe gibt es heute wieder zu kaufen, als Saft. Das schweizerisch ghanaische Start-up KOA presst daraus ein süßsäuerliches, exotisches Getränk. Eine clevere Art, nichts von der Frucht zu verschwenden.
Auch in Mittelamerika war der Kakaobaum früh bekannt, spätestens vor 4.000 Jahren. Dort verwendete man von Anfang an beides: Pulpe und Bohne.
Die Olmeken geben dem Kakao seinen Namen
Die erste bekannte Hochkultur Mittelamerikas waren die Olmeken, in ihrer Blütezeit von 1.500 bis 400 vor Christus. Sie siedelten im Tiefland der mexikanischen Golfküste, in Tabasco und im südlichen Veracruz. Überliefert sind vor allem ihre kolossalen Steinköpfe, vermutlich zu Ehren ihrer Herrscher errichtet. Von den Olmeken stammt auch das Wort für Kakao selbst. In ihrer Version der Mixe-Zoque-Sprache hieß er „kakawa". Das Wort überstand jeden Sprachwandel und wurde zu „Kakao".

Bei den Maya ist Kakao Weihwasser und Medizin
Aus der Zeit der Maya sind Trinkgefäße erhalten, hochwandig, schmal, kunstvoll bemalt und oft mit einer Widmung versehen. Einige davon stehen heute im Kakaomuseum in Köln. Ein solches Gefäß wird auf 460 bis 480 nach Christus datiert und trägt die Glyphe „kakaw". Forschende fanden darin Rückstände von Theobromin, einem Inhaltsstoff des Kakaos.

Wie wichtig der Kakao den Maya war, zeigt ein Zitat von Diego De Landa, Bischof von Yucatán und Maya-Forscher des 16. Jahrhunderts: „Aus Mais und gemahlenem Kakao machen sie einen Sirup, der sehr schmackhaft ist und mit dem sie ihre Feste feiern; aus dem Kakao gewinnen sie ein Fett, das wie Butter aussieht, und daraus und aus Mais stellen sie einen anderen schmackhaften und geschätzten Trank her."
Die Azteken zahlen mit Bohnen statt mit Münzen
Anfang des 13. Jahrhunderts begann dort, wo heute Mexiko-Stadt liegt, die Hochkultur der Azteken. Sie feierten den Kakao als Geschenk von Quetzalcoatl, dem mächtigen Gott des Windes und des Mondes. Genutzt wurde er vor allem von den oberen Gesellschaftsschichten, und seine Bedeutung als Zahlungsmittel stieg stark an. Provinzen zahlten damit Tribut an die Hauptstadt. Handelsrouten und Lagerhäuser standen unter strenger Bewachung.
In Ermangelung von Waagen wurde ein Warenwert mit einer festen Anzahl Bohnen abgegolten:
- Ein Truthahn kostete 200 Kakaobohnen.
- Ein Hase kostete 100 Kakaobohnen.
- Eine Avocado kostete zwischen einer und drei Kakaobohnen.

Arriba Nacional: die Sorte, die bis heute in Ecuador wächst
Genau in der Region, in der Menschen vor 5.500 Jahren die ersten Kakaofrüchte nutzten, wächst heute eine der bekanntesten Kakaosorten überhaupt: Arriba Nacional, auch Nacional oder Arriba genannt. Sie zählt zum Edelkakao und ist für florale, fruchtige und nussige Aromen bekannt. Anbauflächen in Ecuador setzen häufig auf Schattenbäume und verzichten weitgehend auf Pestizide.

Wie Kaffee und Schokolade sich ergänzen
Die floralen und fruchtigen Noten von Arriba Nacional treffen auf die Röstaromen von Kaffee, und genau darin liegt der Reiz der Kombination. Probier eine dunkle Schokolade mit mindestens 70 Prozent Kakaoanteil zu deinem Kaffee. Die dunkle Note verstärkt die Röstaromen, statt sie zu übertönen.

Für ein Heißgetränk brühst du dir einen Kaffee und lässt ein Stück der Schokolade darin schmelzen. Das Ergebnis ist ein schokoladiger Kaffee, ganz ohne Zusatzpulver.


Kaffeelust-Redaktion
Wir schreiben seit Jahren über Kaffee, testen selbst und betreiben das Verzeichnis der Kaffeeröstereien in Deutschland und Österreich. Mehr über uns