Verändert sich unser Kaffeegeschmack mit dem Alter?
Von der Kaffeelust-RedaktionAktualisiert am 2 Min.

Ein Kaffee, der dir mit 25 zu bitter war, schmeckt dir mit 55 vielleicht genau richtig. Das liegt nicht am Kaffee.
Was sich tatsächlich verändert
Die Zahl der Geschmacksknospen nimmt im Lauf des Lebens ab. Ein Säugling hat rund 10.000, ein Erwachsener etwa die Hälfte, im hohen Alter können es deutlich weniger sein. Ab etwa 50 beginnt der Rückgang spürbar zu werden, und die verbliebenen Knospen reagieren weniger empfindlich.
Betroffen sind die Geschmacksrichtungen dabei ungleich. Am deutlichsten lässt die Wahrnehmung für salzig und süß nach. Für bitter und sauer ist der Befund weniger eindeutig, und genau das sind die beiden Richtungen, auf die es beim Kaffee ankommt.
Der Geruchssinn ist der größere Faktor
Was du am Kaffee schmeckst, schmeckst du zum größten Teil gar nicht. Du riechst es.
Die Zunge unterscheidet süß, sauer, salzig, bitter und umami. Alles andere, also Beere, Schokolade, Nuss, Zitrus, Karamell, entsteht im Riechepithel, während du schluckst. Deshalb schmeckt Kaffee bei einer Erkältung nach warmem, bitterem Wasser.
Und der Geruchssinn lässt früher und stärker nach als der Geschmackssinn. Für Kaffee heißt das: Der Rückgang trifft nicht die Bitterkeit, sondern das, was einen Kaffee interessant macht. Die Struktur bleibt, die Feinheiten werden leiser.
Warum du trotzdem besser verkostest als mit 25
Hier wird es interessant. Denn Wahrnehmung ist das eine, Erkennen das andere.
Wer zwanzig Jahre lang bewusst Kaffee trinkt, hat eine Bibliothek im Kopf. Man erkennt eine äthiopische Natural nicht, weil die Nase besser ist, sondern weil man das Muster schon hundertmal gerochen hat. Erfahrene Verkoster werden mit den Jahren nicht schlechter, sondern zuverlässiger.
Das Nachlassen der Sinne und das Wachsen der Erfahrung laufen gegeneinander. Für die meisten Menschen gewinnt jahrzehntelang die Erfahrung.

Was mehr ausmacht als dein Geburtsjahr
Drei Dinge beeinflussen deine Wahrnehmung stärker als dein Alter.
Medikamente. Viele Wirkstoffe verändern das Schmecken direkt, andere machen den Mund trocken. Wer wenig Speichel hat, schmeckt schlechter, weil die Aromastoffe nicht gelöst werden.
Rauchen. Es dämpft den Geruchssinn messbar. Und es erholt sich, wenn man aufhört.
Gewohnheit. Wer jahrelang dunkel geröstete Mischungen trinkt, stellt sich darauf ein. Der erste helle Filterkaffee schmeckt dann sauer und dünn, nicht weil die Sinne nachgelassen haben, sondern weil der Vergleichsmaßstab ein anderer ist.
Was du davon hast
Wenn dir Kaffee flacher vorkommt als früher, ist das kein Grund, stärker zu rösten. Im Gegenteil.
Bitterkeit ist die eine Sache, die auch bei nachlassendem Geruchssinn ankommt. Eine dunklere Röstung verstärkt genau das, was ohnehin durchkommt, und verdeckt das, was leiser geworden ist.
Sinnvoller ist der andere Weg. Nimm eine hellere Röstung mit klarem Profil, mahle etwas gröber, und trink den Kaffee eine Spur kühler als sonst. Zwischen 55 und 65 °C nimmt die Nase am meisten wahr; kochend heiß schmeckt fast jeder Kaffee gleich.
Und riech am Kaffee, bevor du trinkst. Das klingt banal, ist aber der Unterschied zwischen einem Schluck und einem Kaffee.

Kaffeelust-Redaktion
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