Stenophylla: die verschollene Kaffeeart, die Hitze verträgt
Von der Kaffeelust-RedaktionAktualisiert am 2 Min.

Arabica braucht es kühl. Robusta verträgt mehr, schmeckt aber gröber. Dazwischen gäbe es eine dritte Art, die lange als verschollen galt.
Das Problem, das dahinter steht
Fast aller Kaffee, den du trinkst, stammt von zwei Arten. Arabica macht den Großteil des Spezialitätenmarkts aus und wächst am besten zwischen 18 und 22 °C. Robusta verträgt Wärme besser, bringt aber ein anderes, meist kräftigeres und bittereres Profil mit.
Das Problem ist die Enge dieser Auswahl. Steigen die Durchschnittstemperaturen in den Anbauregionen, wandert Arabica bergauf. Irgendwann ist der Berg zu Ende.
Was Coffea stenophylla ist
Stenophylla ist eine westafrikanische Kaffeeart. Sie wurde im 19. Jahrhundert in Europa gehandelt und verschwand dann fast vollständig aus dem Anbau, verdrängt von den ertragreicheren Verwandten.
Über Jahrzehnte galt sie als in der Wildnis verschollen. Wiedergefunden wurde sie in Sierra Leone, wo inzwischen Baumschulen und Versuchsflächen entstanden sind.
Das Bemerkenswerte ist die Kombination: Stenophylla wächst bei deutlich höheren Temperaturen als Arabica und wurde in Verkostungen dennoch als arabicaähnlich beschrieben. Genau diese Kombination gab es bisher nicht.
Was das nicht heißt
Hier ist Vorsicht angebracht, und die meisten Berichte über Stenophylla üben sie nicht.
Es handelt sich um ein Pilotprojekt, nicht um eine Marktalternative. Die Flächen sind klein, die Erträge unerprobt, und ob die Art unter Anbaubedingungen verlässlich liefert, ist offen. Zwischen einer botanischen Wiederentdeckung und einem Sack Rohkaffee im Hafen liegen Jahrzehnte.
Vorsicht ist auch bei den Zahlen geboten, die in diesem Zusammenhang kursieren. Marktprognosen im dreistelligen Milliardenbereich beziehen sich auf den gesamten Weltkaffeemarkt, nicht auf Stenophylla. Wer sie der Art zuschreibt, hat sich verlesen.
Warum es trotzdem zählt
Der Wert liegt nicht in dieser einen Art, sondern in dem, was sie zeigt.
Von den über 130 bekannten Coffea-Arten sind zwei im Handel. Der Rest ist kaum untersucht, und ein erheblicher Teil davon gilt als bedroht. Stenophylla ist der Beleg, dass in dieser Restmenge Eigenschaften stecken, die der Anbau in dreißig Jahren brauchen wird.
Das ist ein Argument für Genbanken und für den Schutz wilder Bestände, lange bevor irgendjemand weiß, wozu sie gut sind. Bei Stenophylla hat es knapp gereicht.

Kaffeelust-Redaktion
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